Lukas Waidelich

Der Thomas-Gulden-Preis wird im Wintersemester 2018/2019
 
Herrn Lukas Waidelich, Bachelor of Arts (B.A.), Master of Science (M.Sc.),
 
verliehen.
 

 

Biografie
Lukas Waidelich wurde am 02. Januar 1992 in Pforzheim geboren und wuchs in Straubenhardt am Rande des Nordschwarzwalds auf. Nachdem er die allgemeine Hochschulreife erlangte, nahm er 2011 das Bachelorstudium im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Pforzheim auf. Neben der fachlichen Ausbildung nutzte er die Gelegenheit, sein Wissen um praktische Erfahrungen anzureichern. So war die Daimler AG vorerst für seinen weiteren beruflichen Werdegang prägend, dem Praktikum schloss sich eine Werkstudententätigkeit an, die in eine Abschlussarbeit mündete. Erfolgreich schloss er 2015 das Bachelorstudium mit der Gesamtnote 1,7 ab. Um neben der fachlichen Expertise auch kulturell und menschlich zu wachsen und sich weiterzubilden, folgten 2015 und 2016 jeweils ein sechsmonatiges Arbeitspraktikum bei Mahle Behr in Südkorea und bei Mercedes-Benz-Vans in den USA. Ende 2016 setzte er seine akademische Laufbahn mit der Aufnahme eines Masterstudiums im Studiengang Business Administration and Engineering an der Hochschule Pforzheim fort.
Während dieser Zeit entdeckte er seine Affinität zur Wissenschaft und zur Forschung. Aus diesem Grund folgte der berufliche Wechsel an das Institut für Smart Systems and Services (IoS³) der Hochschule Pforzheim. Dort widmete er sich zusammen mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Richter dem Forschungsprojekt Use-PSS, das unter der Leitung der Professoren Rebecca Bulander und Bernhard Kölmel steht. Ziel dieses Projekts war es, den deutschen Mittelstand an betriebliche Produkt-Service-Systeme heranzuführen. Während dieser Zeit entstand auch seine theoriebasierte Master-Thesis, die mit der Bestnote 1,0 bewertet wurde und damit zu einem Masterabschluss mit einer Gesamtnote von 1,1 führte. Durch diese Leistung eröffnete sich ihm die Möglichkeit eines Engagements im Forschungsumfeld der Hochschule Pforzheim. Seit 2018 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im IoS³ tätig und führt seine Arbeit im Geiste der Forschung weiter.

Entwicklung eines Klassifikations-Frameworks für Digitale Industrielle Produkt-Service-Systeme (DIPS2) zur Identifikation von Geschäftsmodellen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Rahmen des Forschungsprojekts Use-PSS

Die heutige Geschäftswelt ist zunehmend von Unberechenbarkeit geprägt. Zum einen agieren produzierende Unternehmen in globalen Märkten und stehen somit in direktem Wettbewerb hinsichtlich der Qualität, der Technologie und der Kosten. Daraus resultieren ein starker internationaler Preisdruck, stagnierende Umsätze und Gewinnmargen, sowie die immer geringer werdende Möglichkeit einer technologischen und qualitativen Differenzierung aufgrund zunehmender Gleichwertigkeit von Konkurrenzprodukten globaler Anbieter. Diesen Herausforderungen wird auf der Ebene der Produkt- und Prozessinnovationen begegnet. Zum anderen werden arrivierte Unternehmen durch Geschäftsmodell-Innovationen herausgefordert. Getrieben und befähigt durch die Digitalisierung entstehen neue disruptive Geschäftsmodelle, die bestehende Wertschöpfungsketten in großen Teilen oder sogar vollständig verdrängen. Diese Geschäftsmodell-Innovationen treffen etablierte Anbieter in der Regel unvorbereitet und können bis hin zur vollständigen Marktverdrängung führen. Daher ist die Entwicklung von innovativen Geschäftsmodellen eine Grundvoraussetzung für langfristige Wettbewerbsfähigkeit im unternehmerischen Umfeld.
Ein möglicher Ansatz für produzierende Unternehmen dieser Entwicklung zu begegnen sind sogenannte Produkt-Service-Systeme (PSS). Sie sind als ganzheitliche Innovationsstrategie zu verstehen, die die Produkt-, Prozess und GM-Ebene zugleich bedient. Unternehmen müssen einen ganzheitlichen  Wandel vollziehen, um erfolgreich am Markt zu bleiben. Sie können sich nicht mehr auf die Entwicklung und den Vertrieb von Produkten beschränken, sondern müssen ihr Portfolio um die Bereitstellung eines Systems aus Produkten und Services, die auf spezielle Kundenanforderungen zugeschnitten sind, ergänzen. Dieser Paradigmenwechsel wirkt dem veränderten Nachfrageverhalten durch flexibel anpassbare Sach- und Dienstleistungsanteile auf Kundenseite entgegen. Der Kundennutzen wird in den Mittelpunkt gestellt, eine nachhaltige Kundenbeziehung wird aufgebaut, wodurch ein langfristiger Wettbewerbsvorteil entsteht.
PSS sind ein komplexes Themengebiet, das sehr facettenreich ist und deshalb tiefgehend verstanden werden muss. Der Anbieter eines PSS benötigt umfassendes Wissen, um es erfolgreich am Markt etablieren zu können. Häufig ist dieses Wissen in produzierenden Unternehmen nicht oder nur in geringem Maße vorhanden. Großunternehmen verfügen zumeist über Ressourcen, um sich dieses Wissen anzueignen. Der deutsche Mittelstand hingegen, auf den knapp 60 Prozent der Arbeitsplätze entfallen und der damit eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft spielt, kann oftmals nicht auf diese erforderlichen Mittel zurückgreifen. PSS haben jedoch eine Schlüsselfunktion für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und sind somit essentiell für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Die Master-Thesis von Lukas Waidelich adressiert zum einen KMU, die ein gesteigertes Interesse an der praktischen Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle haben und zum anderen das wissenschaftliche Fachpublikum, das im Bereich PSS forscht. Der Kern seiner Arbeit ist ein Klassifikations-Framework von Digitalen Industriellen Produkt-Service-Systemen (DIPS2) zur Identifikation von Geschäftsmodellen für produzierende KMU im Rahmen des Forschungsprojekts Use-PSS. Neben einer systematischen Literaturanalyse und Darstellung des entsprechenden Stands der Forschung zu PSS, liefert die Thesis eine strukturierte Methode in Form eines einfach anzuwendenden PSS-Klassifikationsrahmens. Dieser wurde im Forschungsprojekt Use-PSS im Rahmen von Workshops genutzt, um produzierenden KMU einen entscheidenden Mehrwert zu bieten. Er dient der Identifikation von PSS-GM und gibt Aufschluss über den Status Quo und mögliche Anknüpfungspunkte für eine neu ausgerichtete Unternehmensstrategie.